Sozialleben


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"Bibermutti" ist der Mittelpunkt und wird immer liebkost von den Kleinen

Das Sozialleben der Biber ist wirklich einmalig, normal ist wenig darüber zu finden, das verwundert auch nicht, denn die Tiere sind so scheu, dass dieses Verhalten nur sehr schwer zu beobachten ist.

 

Das Muttertier ist eine "Matriarchin", d.h. sie bestimmt schlichtweg was passiert oder auch nicht. Ohne Vertrauen des Muttertieres wären solche Beobachtungen wie wir sie machen nie möglich. Im Wesentlichen dreht sich alles um die eigene Bibersippe und den Erhalt des eigenen Revieres. Die Jungbiber werden in den ersten Lebensmonaten bewacht wie ein "Augapfel". Solange die Jungbiber im Bau sind und diesen nicht verlassen können, wird immer ein "Babysitter" abgestellt der im Bau auf die Kleinen aufpassen muss.

 

Zu der Zeit der Jungbiber ist der Energiebedarf der Mutter entsprechend groß, normal verlässt sie als erste den Bau um auf Nahrungssuche zu gehen. Die Zeit ist für das Weibchen natürlich sehr anstrengend, immer wieder setzt sie sich vor uns hin, die Augenlider sind so schwer dass diese zufallen, der Kopf wird immer schwerer, die Nase taucht unter Wasser und sie atmet Wasser ein, wird wach, schüttelt den Kopf und so wiederholt sich das mehrere Male.

 

Nach ein paar Minuten ist es vorbei mit der Pause und die Nahrungssuche beginnt. Sie frisst hektisch, sehr schnell, bekommt sogar ab und zu einen Schluckauf. Weitere Familienmitglieder verlassen den Bau später, aber wie gesagt ein "Babysitter" bleibt immer zurück, manchmal sind es auch zwei. Generell kann man sagen, je länger es dauert bis sich die Jungbiber zeigen, desto weniger sind es und je mehr ältere Tiere aufpassen desto mehr Jungtiere sind es und desto eher werden sich diese zeigen. 

 

Nach ein paar Wochen beginnt das Muttertier auch Äste mit Blättern in den Bau zu transportieren, damit sich die Jungen daran üben können. Völlig abgenagte und geschälte Äste werden dazu verwendet diese in "Hackschnitzel" zu zerkleinern um sie als Einstreu zu verwenden. Die alten Holzschnitzel werden dann durch den Wassersiphon hinausbefördert. Biber sind sehr reinlich, daher wird die Einstreu regelmäßig ausgetauscht.

 

Nach etwa 4-5 Wochen, wenn die Jungtiere so stark sind, dass diese entgegen dem eigenen Auftrieb (wie ein Korken) aus dem Biberbau hinaustauchen können, beginnt die schönste Zeit des Jahres für uns. Bereits am Verhalten der älteren Tiere wissen wir wann es soweit ist, diese sind unruhig, patrouillieren ständig, haben alles genau in Beobachtung, wie ein Wachhund, oft sogar mehrere Tiere gleichzeitig und dann endlich ist es soweit, die jungen Biber verlassen zum ersten Mal den Bau, begleitet von all den anderen Familienmitgliedern, wie ein Konvoi. Jeder kleine Biber der ausbüchst wird wieder "eingefangen", keiner geht verloren. Verlassen die Kleinen die Kräfte darf dieser auf dem Rücken eines älteren Tieres mit schwimmen. Lange dauert dieses Schauspiel anfangs nicht, vielleicht 10-20 Minuten, dann werden die Kleinen wieder zurück in den Bau gebracht und natürlich passt wieder ein älteres Tier auf. Es ist ein unglaubliches und bewegendes Erlebnis und ein Privileg wenn man ein derartiges Verhalten beobachten kann.  Ab diesem Tag sind die Kleinen natürlich nicht mehr zu bremsen.

 

Selbst die älteren Geschwisterchen werden wieder verspielt, balgen mit den Kleinen herum, lassen sich die Ästchen aus dem Maul klauen, achten permanent auf Ihre kleinen Geschwisterchen. Sie sind unheimlich Geduldig, nur wenn es ein Kleiner mit dem Mundraub übertreibt, dann wird er schon einmal getaucht und es scheint als hätte dieser nur darauf gewartet; sie rollen sich spielerisch im Wasser und die älteren Tiere lassen sich fast immer "anstecken" und werden wieder spielerisch zu Jungtieren.

 

Es ist die schönste Zeit des Jahres, die Jungtiere werden uns von der Alten vorbei gebracht, die Kleinen sind neugierig, vorsichtig, frech, dreist, ängstlich und einfach nur unglaublich knuffig. Am Anfang zurückhaltend, werden diese die nächsten Tage immer furchtloser, knabbern Finger, Hose, Schuhe und Schuhbänder an, kuscheln sich auch mal an uns heran, klettern auf uns herum, spielen und balgen, wie das eben junge Säugetiere so tun. Mit ein wenig Glück bringt die Alte ein paar Äste vorbei, die Jungen üben sich an den Blättern, nagen und beißen können sie noch nicht, die Zähne sind noch zu klein. Das Muttertier wird ständig liebkost und ab und zu werden diese auch direkt vor uns gesäugt.

 

Beobachtungen dieser Art sind bewegend, faszinierend und ein unvergessliches Erlaubnis. Der größte vorstellbare Vertrauensbeweis wildlebender Tiere. Wir halten in derartigen Situationen quasi die Luft an, bewegen uns nicht, so ein Familienidyll will man nicht stören, es ist einfach unbeschreiblich. Wer so etwas jemals beobachten konnte wird sich der Faszination der Tiere nicht mehr entziehen können!